registrieren
  Suchen

Seit nun 90 Jahren besteht in unserer Gemeinde ein Posaunenchor. Als 1920 kurz nach dem Ende des 1. Weltkrieges die Gründerväter  August Schmidt sen., Gustav Hecker, Ferdinand Verry und Charles Hammann mit dem Blasen begannen, konnten sie nicht ahnen, dass nach neun bewegten Jahrzehnten immer noch Bläserinnen und Bläser das Lob Gottes mit ihren Instrumenten verkündigen.

„Wer weitergehen will, sollte wissen, woher er kommt.“ Diese Erfahrung lehrt uns, nicht die Asche aufzubewahren, sondern die Flamme zu hüten, um mutig und vertrauensvoll in die Zukunft gehen zu können.

Am Anfang der  Bläserarbeit stand keine große Bewegung, keine Profis mit spezieller Ausbildung, sondern ein Quartett  engagierter  Männer, das ein Stück Gemeindearbeit in unserer  Evangelisch-methodistischen Kirche ins Leben rief.  Die Dokumente aus dem Chorleben der 20er und 30er Jahre sind sehr rar. Gerade aus dieser Zeit wird berichtet, dass sich die Bläserarbeit des damaligen Chores nicht nur auf den Gottesdienst  beschränkte, sondern, wenn es in der Stadt brannte, setzten sich  Charles Hammann und Adolf Kolass mit ihren Trompeten aufs Fahrrad und alarmierten die Feuerwehr und die Bevölkerung.

Regelmäßig blies der Chor bei Gemeindefeiern unter freiem Himmel, zum Beispiel bei Jugendtreffen und Missionsfesten. Bei diesen Anlässen zog häufig ein Festzug durch den ganzen Ort, an dessen Spitze der Posaunenchor mit Marschmusik voran marschierte.

Anfang der 30er Jahre hatte der Chor einen festen Platz im Gemeindeleben und traf sich wöchentlich zur Übungsstunde, die sogar kurzfristig von einem gemeindefremden Musiklehrer, gegen Bezahlung, gehalten wurde.

Nach 1945 haben sich die Aufgaben und die Zielsetzung der Posaunenchorarbeit grundlegend geändert. Rückbesinnung auf die Wurzeln der bläserischen Musik und des geistlichen Blasens, welches bis in das frühe Mittelalter zurückreicht. Die Einbeziehung zeitgenössischer Bläsermusik gehörte zu den Schwerpunkten moderner Chorarbeit.

Aus- und Weiterbildung der Bläser und des Chorleiters sind zur Selbstverständlichkeit geworden. Dem unermüdlichen und engagierten Einsatz von Max Köhler, der den Chor 30 Jahre leitete, ist es zu verdanken, dass der Posaunenchor diesen neuen Weg beschritten hat.

Zu den großen Herausforderungen unserer Zeit gehört die Ausbildung des Nachwuchses. Wie im Sport erfordert das Blasen ein sehr  regelmäßiges Training und viel Ausdauer. Glücklicherweise gibt es in unserem Chor noch junge Menschen, die bereit sind, sich einer solchen Aufgabe zu stellen.

Was sind  neun Jahrzehnte in der Geschichte eines Posaunenchores wenn man bedenkt, dass schon auf den ersten Seiten der Bibel vom Blasen die Rede ist. Bis hin zum letzten Buch der Bibel, wo der Seher Johannes vom Schall der Posaune bei Christi Wiederkunft spricht, spannt sich ein zeitloser Bogen vom Auftrag der durch den Atem zum Klingen gebrachten Blasinstrumente.

Die wesentliche Aufgabe des Posaunenchores ist und bleibt, die Botschaft des Evangeliums von Jesus Christus zu verkündigen.

Nach neuen und bewährten Ausdrucksmöglichkeiten zu suchen, damit Menschen unserer Tage neu hinhören und somit etwas von Gottes Stimme  wahrnehmen, die auch durch die Bläsermusik in unsere Zeit hinein spricht. Am Sonntag, 7. November wollen wir dies im Gottesdienst feiern und erleben.

(Text Karl-Heinz Baum)